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Die Ziet

Offene Daten sind gut für die Gesundheit

Dank Internet sammeln viele Menschen inzwischen statistische Daten über sich selbst. Seiten wie “Cure Together” versuchen, sie auszuwerten und damit anderen zu helfen.

Hilfe beim "Selftracking": Mit diesem Clip namens "Fitbit" lassen sich zum Beispiel Schlafdauer, Schlafunterbrechungen und tägliches Bewegungspensum aufzeichnen

Hilfe beim “Selftracking”: Mit diesem Clip namens “Fitbit” lassen sich zum Beispiel Schlafdauer, Schlafunterbrechungen und tägliches Bewegungspensum aufzeichnen

Das beste Mittel gegen Depressionen scheint bei vielen Menschen Sport zu sein. Auch guter Schlaf, Gesprächstherapie und Meditation wirken offenbar positiv. Nicht so gut helfen hingegen Fischölkapseln oder Tagebuchschreiben, auch wenn beides von erstaunlich vielen Menschen probiert wird. Wenige dagegen probieren Licht- und Massagetherapie oder Selbsthilfe-Gruppen – dabei wirken sie alle gegen Depression.

Was klingt, wie ärztliche Erkenntnisse, ist alles nachzulesen im Blog vonCureTogether. Einer Seite, auf der Betroffene ihre Erfahrungen zusammentragen. Und auf der man beispielsweise auch erfährt, dass Selbstbefriedigung ein effektives Mittel gegen Schlaflosigkeit ist, wirkungsvoller als Melatonin, Fernsehentzug und so manches Medikament.

Diese Erkenntnisse stammen offensichtlich nicht aus Studien der Pharmaindustrie. Und es hat auch niemand für sie bezahlt: Sie sind das Ergebnis Hunderter emsiger Eingaben von Internetnutzern, die ihre Daten auf der Seite zusammengetragen haben und die anschließend statistisch bearbeitet wurden.

Hinter dem Ganzen steht ein neuer Trend zum hemmungslosen Datensammeln. Und damit ist ausnahmsweise kein Unternehmen gemeint, das Daten über seine Konsumenten anhäuft, um sie noch heftiger mit Werbung zu bombardieren. Und auch keine Innenbehörde, die jeden Schritt ihrer Bürger speichern will, um im Verdachtsfall darauf zugreifen zu können.

Der Trend heißt Selftracking, und die Sammelleidenschaft entspringt ureigener Motivation: Menschen geben ihre ganz persönlichen Daten frei, damit sie anderen helfen können. So tracken sie zum Beispiel, wie oft sie nachts aufwachen. Oder wie lange sie schlafen, wie viele Kalorien sie essen und wie viele Schritte pro Tag sie machen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Am liebsten benutzen Selftracker dafür Programme, auf dem Rechner oder Smartphone, die das automatisiert erledigen. Allein diese Liste enthält 187 Tools von SleepCycle über GoodReads bis zu WeightBot. Sämtlich Programme, die das Leben am Ende als bunte Kurven und Tabellen auswerfen. The Quantified Self ist ein Portal, auf dem sich derzeit besonders viele dieser Selftracker tummeln.

Dahinter mag ein Wunsch stehen, den rundweg abgelehnt wird, wenn er von Staat oder Unternehmen kommt: Der Wunsch nach Überwachung. Für manche ist es auch die Suche nach Objektivität. Wer jeden morgen auf die Waage geht, hat das Gefühl, wenigstens einmal am Tag nicht belogen zu werden. Vor allem aber geht es um die Hoffnung, aus den Datenbanken ließe sich mithilfe cleverer Algorithmen ein Mehrwert generieren. Es ist die Hoffnung auf Verbesserung. Und genau dort setzen Seiten wieCureTogether an.

Überschrieben ist die Seite mit dem Slogan “Manage deine Gesundheit, um Dich besser zu fühlen”. Man kann dort seine Befindlichkeiten eintragen, über die eigene Ursachenforschung und über Therapieversuche Auskunft geben und dazu langfristige Beobachtungen anstellen. Ob man nun unter Rückenschmerzen oder Blasenentzündung leidet, die Liste möglicher Ursachen und Bekämpfungsversuchen ist in der Regel lang, manchmal unkonventionell und mitunter inspirierend. Sogar seine Laborwerte kann man mit anderen teilen.

Es gibt sogar eine Hypochonder-Kontaktbörse: Wer wollte nicht schon immer einen Menschen kennenlernen, der unter den gleichen Symptomen leidet?

Selbst wenn die Auswertungen noch relativ simpel und die Fallzahlen für valide Studien vielleicht nicht immer groß genug sind – die Idee ist sinnvoll. Allein die Vorstellung, irgendwann herausfinden zu können, dass man jeden Freitag Kopfschmerzen hat, weil es der Tag der langen Sitzungen ist und man während dieser vier Kaffee trinkt statt der üblichen einen Tasse, wäre schon eine Erkenntnis. Doch bieten solche Datensätze die Chance, noch viel komplexere Zusammenhänge zu ergründen.

Original article at http://www.zeit.de/digital/internet/2010-09/selftracking-open-data